Wieso DSGVO in Zeiten von KI zunehmende an Wert verliert
Warum DSGVO noch lange keine Datensouveränität bedeutet und rechtliche Compliance allein Ihre Daten nicht schützt.
Digitale Souveränität ist lange wie ein politisches Schlagwort behandelt worden. Inzwischen wird sie immer öfter als knallharter Risiko und Wettbewerbsfaktor diskutiert, besonders dort, wo Cloud und KI zur kritischen Infrastruktur werden. Der Kern der Debatte ist simpel: Wer Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Rechtsrahmen verliert, verliert mittelfristig auch Handlungsfähigkeit.
In den vergangenen Monaten taucht genau dieses Motiv in mehreren europäischen Debatten auf. Ein Beispiel ist die Diskussion rund um Europas Abhängigkeit von US Plattformen in Cloud und KI. Dort wird weniger über Technik gestritten, sondern über strategische Resilienz: Was passiert, wenn die wichtigsten Bausteine der eigenen IT nicht mehr vollständig unter eigener Steuerung stehen. Financial Times
Parallel dazu wird digitale Souveränität politisch deutlich sichtbarer priorisiert. In Berlin wurde 2025 ein europäischer Gipfel zur digitalen Souveränität durchgeführt, mit dem Anspruch, Souveränität nicht nur als Prinzip, sondern als konkretes Programm in Industrie, Verwaltung und Forschung zu verankern. Bundesregierung
Und es bleibt nicht bei Symbolik. Auch nationale Parlamente beschäftigen sich inzwischen mit der Frage, wie viel Abhängigkeit von US Software und US Cloud in kritischen Bereichen sinnvoll ist. In den Niederlanden wurden politische Initiativen diskutiert, um Abhängigkeiten zu reduzieren und Alternativen stärker zu fördern. Reuters
Was bedeutet das praktisch für Organisationen, die KI einsetzen oder bereitstellen
Digitale Souveränität ist keine Entweder oder Frage. Es geht nicht um völlige Autarkie, sondern um ein bewusstes Architekturmodell: Welche Workloads dürfen in eine fremde Jurisdiktion, welche nicht. Welche Daten sind austauschbar, welche geschäftskritisch oder personenbezogen.
Die spannendste Verschiebung ist, dass KI Systeme oft nicht nur Daten verarbeiten, sondern Wissen, Prozesse und Entscheidungslogik. Wer hier das falsche Betriebsmodell wählt, kann sich eine neue Form der Vendor Abhängigkeit einhandeln, nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch.
Souveränität muss messbar werden. Organisationen brauchen Kriterien, mit denen sie Anbieter und Betriebsmodelle bewerten können. Typische Dimensionen sind: Datenzugriff und Rechtsraum, technische Kontrollpunkte, Auditierbarkeit, Transparenz über Subdienstleister, Exit Strategie und Betriebsoptionen On Premise oder in europäisch kontrollierten Umgebungen.
Unser Fazit
Digitale Souveränität ist nicht die nächste Modewelle. Sie wird dort wichtig, wo KI und Cloud den Kernbetrieb berühren. Wer jetzt ein sauberes Modell aus Risiko Klassen, Betriebsoptionen und nachweisbaren Controls definiert, baut nicht nur Compliance, sondern echten strategischen Spielraum auf.
DSGVO-Checkliste
Was DSGVO bedeutet | Was DSGVO nicht abdeckt |
Verarbeitung von sensiblen Daten Regelt, unter welchen Voraussetzungen personenbezogene Daten verarbeitet werden dürfen. | Keine Datensouveränität garantiert Garantiert nicht, dass Daten physisch in Ihrer Hand bleiben, sobald sie in der Cloud sind, unterliegen sie auch der faktischen Kontrolle des Anbieters. |
Prozess-Sicherheit Fordert, dass Prozesse dokumentiert und Risiken bewertet werden. | Keine technische Unverwundbarkeit Schützt nicht vor Cyberangriffen, Zero-Day-Exploits oder gezielten Angriffen. Ein DSGVO-konformes Unternehmen kann trotzdem gehackt werden. |
Schutz vor Kommerzialisierung Verbietet den Verkauf und die Weitergabe von Daten an Dritte. | Kein Schutz vor Datenabfluss (Drittstaaten) Verhindert nicht, dass auf Basis des US CLOUD Acts oder dem Chinesischen "National Intelligence Law" Daten von deutschen DSGVO-Konformen Servern abgegriffen und in den USA oder China weiterverwendet werden können. |
Recht auf Löschung Gibt dir den juristischen Anspruch, dass deine Daten vernichtet werden. | Technische Endgültigkeit Garantiert nicht, dass Daten sofort aus allen Backups, Schatten-IT oder trainierten KI-Modellen verschwinden (technisch oft unmöglich). |
Stand der Technik Verpflichtet Firmen, aktuelle Sicherheitsstandards zu nutzen. | Freiheit von Software-Fehlern Verhindert nicht, dass die genutzte Software (z. B. Betriebssysteme) selbst Sicherheitslücken hat, die der Betreiber nicht schließen kann. |
Weiterführende Quellen
Financial Times Beitrag zur europäischen Abhängigkeit






